Das Thema Energie ist eng mit den Klimaherausforderungen verbunden und sehr komplex, da es alle Wirtschaftsbereiche (Verkehr, Wohnen, Industrie usw.) betrifft und zahlreiche Faktoren wie Produktion, Konsum, Importe und Exporte sowie technologische und politische Entscheidungen zum Tragen kommen.
Für dieses Themenblatt soll der Schwerpunkt auf der Stromerzeugung liegen. Zum einen, weil der Kampf gegen den Klimawandel und die notwendige Dekarbonisierung der Wirtschaft zu einer zunehmenden Elektrifizierung vieler Anwendungsbereiche führen (Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen usw.). Zum anderen, weil sich die energiepolitischen Entscheidungen und strategischen Ausrichtungen Deutschlands und Frankreichs in diesem Sektor am stärksten unterscheiden und somit einen aufschlussreichen Einblick in die jeweiligen Ansätze der beiden Länder auf dem Gebiet der Energiewende bieten.
Der Strommix in Frankreich und Deutschland für 2025
Anteil der verschiedenen Energiequellen an der landesweiten Stromerzeugung
Kernenergie
Wasserkraft
Windenergie
Solarenergie
Gasenergie
Kohle
(Steinkohle und Braunkohle)
Biomasse
Sonstige
Quellen und Links
https://www.unendlich-viel-energie.de/mediathek/grafiken/stromerzeugung
https://www.connaissancedesenergies.org/la-production-electrique-bas-carbone-de-la-france-atteint-un-maximum-historique-en-2025
Beispielillustration
https://particuliers.engie.fr/electricite/conseils-electricite/conseils-tarifs-electricite/comment-calculer-consommation-electrique.html
Veranschaulichung
Die Energiestrategien hängen von politischen Entscheidungen ab, an denen die Bevölkerung meist nicht direkt beteiligt ist. Daher gilt es, dieses Thema anhand konkreter Beispiele im Alltag der jungen Menschen zu verankern.
Die folgende Grafik zeigt den durchschnittlichen Verbrauch (in kWh pro Jahr) verschiedener Haushaltsgeräte.
Vergleich der Treibhausgasemissionen nach Verkehrsmittel auf einer Strecke von 500 km.
Fossile Energieträger
Der Anteil fossiler Energieträger (Kohle und Gas) an der nationalen Stromerzeugung betrug 2025 in Deutschland 37,8 % und in Frankreich 3,1 %.
In Frankreich werden Gas und Kohle mittlerweile nur noch als ergänzende Energiequellen genutzt. Kohle spielte einst eine wichtige Rolle für die Industrialisierung des Landes, doch das letzte Bergwerk wurde 2004 stillgelegt. Zwei der vier verbliebenen Kohlekraftwerke wurden 2021 geschlossen; die beiden anderen sollten ebenfalls stillgelegt werden, wurden dann jedoch wegen der Energiekrise von 2022 weiterbetrieben. Nun ist ihre Stilllegung für 2027 geplant, verbunden mit einem Umstellungsprojekt.
In Deutschland werden Erdgas, Braunkohle und Steinkohle nach wie vor intensiv genutzt, was angesichts der damit verbundenen Treibhausgasemissionen problematisch ist. Mittelfristig wurde ein Ziel für den Kohleausstieg festgelegt, wobei die Lage durch den Krieg in der Ukraine erschwert wird, da Deutschland nun auf russisches Erdgas verzichten muss, von dem es zuvor stark abhängig war.
Kernenergie
2025 betrug der Anteil der Kernenergie an der landesweiten Stromerzeugung in Frankreich 68,1 % gegenüber … 0 % in Deutschland! Dieser Unterschied lässt sich hauptsächlich durch historische Entscheidungen erklären: In den 1970er Jahren entschied sich Frankreich für eine vollständig auf Kernenergie ausgerichtete Energiepolitik, während Deutschland – insbesondere aufgrund des starken Widerstands seitens der Bevölkerung – ein weitaus weniger umfangreiches Programm zur zivilen Nutzung von Kernenergie entwickelte.
Ab 2002 leitete die deutsche Regierung dann den Ausstieg aus der Kernenergie ein, der nach der Katastrophe von Fukushima 2011 noch beschleunigt wurde. Im Zuge dessen wurden im Frühjahr 2023 die letzten Kernkraftwerke stillgelegt. In Frankreich hingegen nimmt die Kernenergie, die als CO₂-freie Energiequelle dargestellt wird, trotz zahlreicher Probleme (Sicherheit, Souveränität, Wasserverbrauch, Entsorgung radioaktiver Abfälle usw.) weiterhin den größten Anteil ein und wird durch Investitionen in den Bau neuer Anlagen gefördert.
Erneuerbare Energien
Der Anteil erneuerbarer Energien (Wasserkraft, Onshore- und Offshore-Windkraft, Solarenergie und Energie aus Biomasse) an der nationalen Stromerzeugung betrug 2025 in Frankreich 28,5 % und in Deutschland 58,1 %. Diese Energien erleben in beiden Ländern einen starken Aufschwung, wobei Deutschland in diesem Bereich einen Vorsprung verzeichnet. Entgegen der weit verbreiteten Meinung hat Deutschland seinen schrittweisen Atomausstieg in erster Linie durch die Nutzung erneuerbarer Energien kompensiert. Dieser Weg wird auch in Frankreich von Organisationen wie négaWatt befürwortet, doch die französische Regierung und die Stromwirtschaft setzen weiterhin vorrangig auf Kernenergie, auch wenn sie eine Verringerung ihres Anteils (auf bis zu 50 %) akzeptieren.
Widerstand gegen erneuerbare Energien zeigt sich – sofern er nicht von Befürwortern konkurrierender Energieformen ausgeht – häufig auf lokaler Ebene. Dabei richtet sich die Kritik gegen die Auswirkungen auf Fauna und Flora (Wasserkraft), die Veränderung der Landschaft (Onshore-Windkraft) und manchmal auch gegen Umweltbelastungen im Zusammenhang mit der Lebensdauer der Anlagen (Solarenergie). Die Entscheidung für erneuerbare Energien hat mehr Vorteile als Nachteile, doch die Kritik verdeutlicht, dass keine vollkommen „saubere“ Energie existiert.
Quellen und Links
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/energieversorgung-sicherheit-2040098
https://www.greenpeace.fr/la-sortie-du-nucleaire-en-allemagne-a-t-elle-ete-compensee-par-une-hausse-de-la-production-de-charbon/
https://www.vie-publique.fr/en-bref/295285-energies-renouvelables-la-france-publie-son-bilan-2023
https://infos.ademe.fr/magazine-septembre-2021/decryptage/energies-renouvelables/
Einsparung
Die Diskussionen über die Zusammensetzung des Strommixes sind wichtig, sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die umweltfreundlichste Energie diejenige ist, die gar nicht erst erzeugt wird. Daher ist die Antwort auf die ökologischen Herausforderungen im Energiebereich auch und vor allem eine Senkung des Verbrauchs. Zur Veranschaulichung: Der Bruttostromverbrauch ist zwischen 2015 und 2025 in Frankreich von 475 auf 446 TWh und in Deutschland von 523 auf 465 TWh gesunken. Daher müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, vom individuellen Verhalten bis hin zu kollektiven Entscheidungen hinsichtlich der Technologie. In dieser Hinsicht geben die aktuellen Entwicklungen (Ersatz von Verbrennerfahrzeugen durch Elektrofahrzeuge ohne Verringerung des Fahrzeugbestands, exponentieller Ausbau der sehr ressourcenintensiven künstlichen Intelligenz usw.) leider keinen Anlass zu optimistischen Prognosen.
Quellen und Links
https://www.greenpeace.fr/quest-ce-que-la-sobriete-energetique/
https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/energiesparen/energieverbrauch-energieeffizienz-in-deutschland-in#Klimaschutz
https://analysesetdonnees.rte-france.com/consommation/synthese
https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/energie/stromverbrauch





