Müllwirtschaft

Abfall vermeiden, reparieren, wiederverwenden und recyceln: Die Kreislaufwirtschaft zeigt Wege zu einem bewussteren Umgang mit Ressourcen. Hier finden Sie Fakten, praktische Ansätze und Ideen für internationale Jugendbegegnungen.

Müll und Müllwirtschaft

Im Kampf gegen den Klimawandel spielt ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen und Abfällen eine entscheidende Rolle.

Der Abfallsektor ist, Nach der Landwirtschaft und der Energiewirtschaft, ist der Abfallsektor weltweit die drittgrößte anthropogene Quelle für die Emissionen von Methan, eine der klimawirksamsten Treibhausgase. Zudem steigen die Müllmengen weltweit rasant an, während wertvolle Ressourcen immer knapper werden.

Laut Welt Abfall Index produziert jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich 601 kg Müll im Jahr, in Frankreich sind es 530 kg (2025).

Abfallaufkommen pro Einwohner und pro Jahr 
(im Durchschnitt)

2025

Anteil des recycelten Abfalls am Gesamtaufkommen

Deutschland gilt als eines der Länder mit einem besonders ausgebauten System der Mülltrennung und des Recyclings, mit einer Recyclingquote von knapp 70% (69,2%: 2023). Seit1991 gibt es hier z.B. den grünen Punkt, der Verpackungen kennzeichnet, deren Hersteller sich an den Kosten des Dualen Systems beteiligen. Das 2003 in seiner heutigen Form eingeführte Pfandsystem (für Dosen und Plastikflaschen) ermöglicht eine hohe Rücklaufquote von Getränkebehältern (über 98% für PET-Flaschen und Dosen). Haushaltsmüll wird in der Regelgetrennt in Papier, Verpackungsmüll, Restmüll, Glas und Biomüll.

Frankreich setzt auf Strategien, die zur Müllvermeidung (v.a. von Einwegplastik) führen sollen und hat sich zum Ziel gesetzt bis 2040 weitgehend auf Einwegplastik zu verzichten. Ein im Jahr2020 verabschiedetes Gesetz fördert die Reduktion von Plastikmüll, die Verwendung von wieder verwendbaren Behältern und die Erhöhung der Recyclingquote, die aktuell bei ca. 40%liegt (41,2% in 2023). Getrennt wird Haushaltsmüll in der Regel in Verpackungsmüll, Restmüll und Glas, wobei sich die Sammelsysteme regional unterscheiden können.

Recyclingquote für die gesamte Abfallmenge 
(DE: 69% FR: 41%)

Recyclingquote

Anteil des recycelten Abfalls am Gesamtaufkommen

Konsum und Produktion

Übermäßiger Konsum und Ressourcenverbrauch trägt wesentlich zum globalen Klimawandelbei. In vielen Industrieländern, wie Deutschland und Frankreich, werden mehr Ressourcenverbraucht, als langfristig verfügbar sind. Durch den Verbrauch von Ressourcen, insbesondere von fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas, werden schädliche Treibhausgase freigesetzt. Auch die Herstellung, der Transport und der Konsum von Gütern erzeugt Treibhausgase, die das Klima weiter aufheizen. Oft werden die produzierten Güter aber nicht einmal genutzt, sondern landen direkt im Müll, man spricht deshalb auch von einer Wegwerfgesellschaft.

Textilproduktion und -abfälle

Durch den vermehrten Konsum von Fast Fashion hat die Menge an Textilabfällen in den letzten Jahren immer weiter zugenommen. Im Jahr 2023 fielen in Deutschland pro Haushaltdurchschnittlich 2 kg Textilabfälle pro Jahr an (das sind 55 % mehr als noch vor 10 Jahren), dieseZahl lag in Frankreich sogar bei 4 kg. Das Problem dabei ist, dass die Herstellung von Textilien große Mengen an Wasser, sowie Flächen verbraucht. Die Textilindustrie trägt erheblich zur Wasserverschmutzung bei (z. B. durch das Färben von Stoffen oder Waschen synthetischer Kleidung, die Mikroplastikfasern freigibt). 87% der Textilabfälle werden zudem verbrannt oder deponiert und nur 1% recycelt.

BEISPIEL TEXTILPRODUKTION

2 kg / 4 kg

Textilabfall pro
Person und Jahr

Balken grün

Deutschland

Balken orange

Frankreich

87 %

werden verbrannt
oder deponiert

1 %

werden recycelt

70 %

mehr als noch vor
zehn Jahren

Die Herstellung von Textilien verbraucht große Mengen Wasser und Fläche. Die Branche trägt erheblich zur Wasserverschmutzung bei, etwa beim Färben von Stoffen oder beim Waschen synthetischer Kleidung, die Mikroplastikfasern freisetzt.

Ein anderes Beispiel für Überkonsum ist die Lebensmittelindustrie 
(siehe Infos zur Ernährung: Lebensmittelverschwendung).

Entwicklung der Kreislaufwirtschaft

Der wirksamste Weg, Ressourcen zu schonen und den Klimawandel einzudämmen, besteht darin, Abfälle möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Deshalb setzt die Europäische Union auf das Konzept der Kreislaufwirtschaft. Ziel ist es, Produkte möglichst lange zu nutzen, sie zu reparieren, wiederzuverwenden und schließlich zu recyceln. Dadurch werden weniger Rohstoffe benötigt, Energie eingespart und Abfälle vermieden. Mit dem 2018 verabschiedeten Kreislaufwirtschaftspaket hat die EU zahlreiche Maßnahmeneingeführt, um nachhaltige Produktions- und Konsummuster zu fördern. Dazu gehören unteranderem die Förderung von Reparatur und Wiederverwendung, höhere Recyclingquoten, die Verringerung von Verpackungsabfällen sowie die erweiterte Herstellerverantwortung.

Langfristiges Ziel ist eine klimaneutrale und kreislauforientierte Wirtschaft bis 2050.

Mülltrennung und Recycling

Eine korrekte Mülltrennung ermöglicht hochwertiges Recycling und spart Rohstoffe sowie Energie. Nur ein Drittel der Abfälle, die im Hausmüll landen, ist „echter“ Restmüll. Zwei Drittelsind Bioabfälle und Wertstoffe, die kompostiert oder recycelt werden könnten, wodurch Rohstoffe verloren gehen, und zusätzliche Emissionen entstehen, da sowohl in Deutschland, also auch in Frankreich, der Inhalt der Restmülltonne vorrangig verbrannt wird. Dabei ist Recycling wichtig, denn es ermöglicht wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen und somit das Klima entlastet. Durch Recycling kann z.B. die Herstellung von Glas, Papier, Kunststoff und Metallreduziert werden, was je nach Material erhebliche Energiemengen einspart (Glas: 30% und Aluminium: 90%) und somit Treibhausgasemissionen vermeidet.

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, die Pro-Kopf-Menge an Restmüll bis 2030 deutlich zu senken. Das Ziel ist es, die Menge, die nicht recycelt wird, zu halbieren. Um dies zu schaffen, gilt die Abfallhierarchie: Vermeidung steht an erster Stelle, gefolgt von Wiederverwendung und Recycling. Sowohl Frankreich als auch Deutschland arbeiten daran Recyclingmethoden zu optimieren, z. B. durch die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR), Recyclingquoten oder innovative Recyclingtechnologien.

Laut Schätzungen der deutschen Regierung können die globalen Treibhausgasemissionen durch eine verbesserte Abfallwirtschaft um etwa 10 bis 15 Prozent reduziert werden. Ausschlaggebend hierfür sind verstärktes Recycling, die Vermeidung organischer Deponien und eine effizientere Kreislaufwirtschaft

Verschmutzung von Wasser und Böden

Jährlich landen rund 19 bis 23 Millionen Tonnen Müll im Meer. In den Ozeanen hat sich inzwischen schon so viel Müll angesammelt, dass sich insgesamt fünf große Müllstrudel gebildet haben. Plastikmüll und Mikroplastikartikel im Wasser führen zu massenhaftem Tiersterben. Nach Angaben des NABU kosten sie jedes Jahr etwa 135.000 Meeressäugetieren und 1 Million Vögeln das Leben.

Aber auch die unsachgemäße Müllentsorgung in der Natur ist klimaschädlich. Aus offenen Deponien oder illegalen Müllabladestellen entweicht in hohen Mengen Methan. Bei der Verbrennung entstehen Ruß und gesundheitsschädliche Gase.

Klimabewusster Konsum

Wichtig ist, klimabewusste Kaufentscheidungen zu treffen und von der Wegwerfmentalität wegzukommen, hin zum nachhaltigen Konsum, d.h.:

  • Verschwendung vermeiden, allen voran Lebensmittelverschwendung
  • Sein Konsumverhalten hinterfragen: Weniger kaufen (z.B. Kleidung), Verpackungsmülleinsparen (unverpackt kaufen, bevorzugt nachfüllbare Produkte kaufen), Plastik vermeiden, inlanglebige Produkte investieren, lokale Unternehmen unterstützen, unnötige Online-Bestellungen und Retouren vermeiden.
  • Reparieren, ausleihen, weiterverschenken, tauschen statt wegwerfen
  • Müll richtig entsorgen, trennen und kompostieren

Einige Ideen für Jugendbegegnungen

Glühbirne

Mülltrennung am Seminarort

Auf eine konsequente Mülltrennung am Seminarort achten, mit den nötigen Erklärungen da es Länderunterschiede gibt

Glühbirne

Upcycling-Workshop

Einen Upcycling-Workshop anbieten, der gebrauchte Materialien wiederverwendet, mit dem Ziel, diese in hochwertige Produkte umzuwandeln

Glühbirne

Müll sichtbar machen

Plastik-Müll wiegen, um ein Gefühl für die Menge zu bekommen

Glühbirne

Lebensmittel retten

Lebensmittelverschwendung vermeiden

Glühbirne

Müllsammelaktion

Eine Müllsammelaktion vor Ort organisieren

Glühbirne

Kleidertauschbörse

Kleidertauschbörse 
organisieren